![]() Zwei Wahrzeichen Popayáns: die Kathedrale und der Vulkan Puracé |
Mit Spannung und großer
Erwartung trat ich am 01. April 2007 meine zweite Reise nach Kolumbien
an. Seit ich im Jahr 2004 die Einrichtung CIPE besucht hatte, ist die
Entwicklung nicht stehen geblieben. Vor allem auf das neu angemietete
Haus, das Anfang 2006
bezogen wurde, war ich gespannt. Auch gespannt war ich darauf, welche
Kinder mich noch kennen würden. Ich wusste bereits, dass sich,
bedingt durch eine Schwangerschaft, im Team der Mitarbeiter seit 2004
eine Veränderung ergeben hatte. So bestieg ich dann am 02.04.2007 um 07.55 Uhr in Frankfurt das Flugzeug und flog über Madrid nach Bogotá, wo ich von Renate, die auf einer Weiterbildung in der Hauptstadt weilte, erwartet wurde. Sie empfing mich nach einer Flugzeit von insgesamt rund 14 Stunden. Im Gegensatz zum ersten Flug im Jahr 2004 war ich diesmal sehr ruhig und selbst überrascht, wie stressfrei ich in Bogotá ankam. Wir beide setzten uns wieder ins Flugzeug und flogen gemeinsam nach Cali, von wo aus wir mit dem Bus noch ca. 3,5 Stunden nach Popayán zu fahren hatten. Dort angekommen fiel ich bald in einen guten und entspannenden Schlaf. |
![]() Besprechung bei der Fundación Florecer |
Ohne jegliches Problem ging es
am anderen Tag an die Arbeit. Da im CIPE noch Osterferien waren, galt
es, die ersten wichtigen Kontaktbesuche durchzuführen. So trafen
wir uns mit dem künftigen Leiter der Fundación Florecer,
Herrn Pastor Gerson Mendoza. Gerson ist seit Jahren ein guter Bekannter
von Renate und hat die Entwicklung des CIPE sehr aufmerksam verfolgt.
Ihm hat sie vor einiger
Zeit von ihren Problemen berichtet und erzählt, sie gehe
zurück nach Deutschland und die Kolumbianer sollten sehen, wie sie
das alles weiter betreiben. Das hat Gerson dazu bewogen, Renate das Angebot zu machen, die Leitung des CIPE zu übernehmen. Wir haben nun mit Gerson gesprochen, er hat für die Zeit ab 01. April 2007 zugesagt. Danach fanden am 10.04.2007 mit den Mitarbeitern, den Eltern und der befreundeten Rechtsanwältin Gespräche statt, in denen diese Änderungen mitgeteilt wurden. Alle Mitarbeiterinnen haben das positiv zur Kenntnis genommen und wollen selbst mehr Verantwortung übernehmen und Gerson unterstützen. Sie sahen darin auch für sich selber eine Chance der Weiterentwicklung. Gerson selbst möchte sich als Pastor gern in die Behindertenarbeit einarbeiten und freute sich auf die Leitung. Die Eltern wollten unbedingt auch, dass es weitergeht, hatten aber eine gewisse Skepsis, ob und wie es ohne Renate wohl weiter gehen kann. Letztendlich habe ich im Namen von KiKo allen Beteiligten klar gemacht, dass sie jetzt die Chance haben, das von Renate und dem Team aufgebaute CIPE in eigener Verantwortung weiter zu betreiben und als kolumbianische Vorzeigeeinrichtung auszubauen. Ich denke, dass alle Beteiligten die Chance erkannt haben. |
![]() Popayán |
Die Rechtsanwältin hat
Renate geraten, weiterhin Repräsentantin der Fundación
Florecer zu bleiben. Ich will hier auf die einzelnen Details nicht
näher eingehen. Die Satzung der Fundación Florecer muss in
diesem Zusammenhang so geändert werden, dass Renate das einzige
Vorstandsmitglied ist und von ihrer eigenen Firma bzw. dem Verein einen
Anstellungsvertrag erhält. Das wird auch die soziale Absicherung
von Renate verbessern. Renate wird dann im neuen Organigramm als "Direktorin" weitergeführt. Gerson wird Subdirektor und übernimmt die Verantwortung für die gesamte Leitung der Fundación Florecer und das CIPE. Renate selbst wird sich dann verstärkt um die pädagoische Leitung und Weiterentwicklung des CIPE kümmern. Des Weiteren wird sie mit Sonderaufgaben betraut und unternimmt sämtliche Maßnahmen die dazu führen, in Deutschland Gelder für Kolumbien einzuwerben. Das wird die Hauptaufgabe von Renate vom Standort Deutschland aus sein. Sie wird aber auch als Bindeglied zwischen KiKo und der Fundación Florecer fungieren. Ob und wie das alles funktionieren wird, hängt im Wesentlichen davon ab, welches Visum Renate wann und wie bekommen wird. Wir sind deshalb beim früheren Verteidigungsminister Kolumbiens, der heute in Popayán als Chef einer Zeitung arbeitet, aber weiterhin politisch engagiert ist, vorstellig geworden. Er ist der Cousin einer sehr guten Freundin von Renate, die für dieses Gespräch die Tür geöffnet hat. Es war ein kurzes, aber sehr gutes Gespräch mit der Übergabe einer Briefmappe an Staatspräsident Uribe. Dabei ging es darum, dass die Einrichtung zum einen finanzielle staatliche Unterstützung erhält und zum anderen das Visum für Renate längerfristig bzw. anders ausgestaltet wird. Damit wäre die Tätigkeit für Renate von Deutschland aus eher und unkomplizierter möglich. Wir sehen das Gespräch positiv und hoffen, dass dieser Freund von Präsident Uribe bei diesem auch vorstellig wird. Nach diesen Gesprächen überarbeiteten Renate und ich die bestehenden Verträge und änderten die Passagen im Hinblick auf die geplante Organisationsstruktur. Mit unseren Vorstellungen gingen wir in die weiteren Gespräche mit Pasor Gerson und den Mitarbeitern. Diese Sondierungsgespräche verliefen insgesamt sehr positiv, wobei wir auch die beiderseitigen Vorstellungen und Erwartungen ausführlich besprochen haben. Es werden noch weitere Gespräche folgen, bis die Verträge unterschriftsreif vorliegen. Insgesamt ist aber festzuhalten, dass die Vorstellungen von Renate in hohem Maße verwirklicht werden und die Leitung der Schule CIPE an Pastor Gerson übergeben werden kann. Gerson Mendoza wird in den nächsten Wochen, zusammen mit Renate und den Mitarbeitern, die künftigen Verantwortungen festlegen. Renate hofft nun, dass ihr Visum wieder verlängert wird und es ihr dann möglich ist, im Herbst 2007 nach Deutschland zu kommen um die nun vorgesehene Arbeit in Deutschland für den Verein KiKo und die Schule CIPE zu forcieren. |
![]() Osterprozession in Popayán |
Ostern in Popayán – ein
ganz besonderes Ereignis! Immer wieder hatte mir Renate berichtet, dass
die Osterfeiertage in Kolumbien ein besonderes Ereignis seien. Es
beginnt damit, dass die Hausbesitzer verpflichtet sind, vor der
Karwoche Semana Santa ihre Hausfassaden zur Straße hin neu zu
streichen. Wer das nicht macht, muß ein Bußgeld bezahlen,
deshalb halten sich die meisten auch daran. Ab Gründonnerstag bis
einschließlich Ostersonntag wurden die Kreuzweg-Statuen der
Kirchen Popayáns durch die Straßen getragen. Es begann
abends ab 20.00 Uhr und dauerte in der Regel drei Stunden. Die
beeindruckende Prozession erfolgt nach einem bestimmten Ritual.
Alljährlich strömen Zigtausende aus ganz Kolumbien in die
Stadt, um die Umzüge zu erleben. Ganz Popayán feiert Ostern
mit seinen Freunden. Da gerade Regenzeit war, fielen zwei Umzüge
sprichwörtlich ins Wasser. Aber es wurde trotzdem gefeiert, da die
Temperaturen trotz Regen sehr angenehm waren. Ostermontag war kein
Feiertag mehr und das normale Leben nahm wieder seinen Lauf. |
| „Die Stadt Pasto mußt du
erleben und vor allem die Fahrt dorthin“. Mit diesen Worten entlockte
mir Renate ein „Ja.“ zu einer 6-stündigen Fahrt auf ein
Teilstück der Panamericana-Route von Popayán nach Pasto. Es
war eine erlebnisreiche Fahrt, die man mit Worten nicht beschreiben
kann. Auf und ab ging es vom 1.800 m hoch gelegenen Popayán ins
tiefe und äußerst schwüle Tal von El
Batia in 200m Höhe, dann wieder hoch und wieder runter bis wir auf
3.200 m in Pasto ankamen. Die Stadt begrüßte uns mit
strahlendem Sonnenschein und angenehmer Wärme. Auch in dieser
Hochebene der Kordilleren ist Heizen ein Fremdwort, da es dort immer
sehr angenehm warm ist. Nachts können die Temperaturen auch mal
unter 10 Grad fallen, was die Kolumbianer dann als sehr kalt empfinden.
Während der Fahrt erlebte ich eine Landschaft, die einfach alles
bot. Berge bis über 5.000 m Höhe, tiefe Täler und
Schluchten, (ich mochte da gar nicht mehr zum Busfenster rausschauen),
einen Verkehr wie auf einer gut befahrenen deutschen
Bundesstraße. Jedoch gab es zu deutschen Bundesstraßen
erhebliche Unterschiede. Da war zum einen der teilweise katastrophale
Straßenzustand, zum andern die Kamikazeähnlichen Fahrweisen
der Verkehrsteilnehmer und schließlich die Verkehrsteilnehmer
selbst. |
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Vom Fußgänger,
Fahrrad- und Mopedfahrer, Pferdekarren über das Auto bis zum
größten LKW war alles unterwegs. Bei den Trucks dachte ich
immer wieder, wieviel PS die wohl haben müssen, dass sie diese
steilen Berge hoch kommen. Bei dieser Verkehrsdichte ist Überholen
unumgänglich wenn man ans Ziel kommen will. Dabei geht man
jegliche Gefahren ein. Auch wenn die Straße durchgehend so breit
ist, dass drei Fahrzeuge nebeneinander fahren können, sprechen die
unzähligen Namenskreuze entlang der Straße ihre eigene
Sprache. Ich sah einen LKW-Unfall in einer Kurve, wobei der LKW durch
viel Glück dem Sturz in die endlose Tiefe entkam. „Gott sei Dank“
stand unsere Fahrt unter seinem Schutz. |
| Ich möchte noch etwas zur
Sicherheit auf dieser Fahrt anmerken. Der Staat tut sehr viel für
die Sicherheit seiner Bürger, kann aber natürlich nicht
überall sein. Dass die Korruption dieses Land beherrscht und auch
vor Militär und Polizei nicht Halt macht, ist überall
spürbar. Trotzdem gibt einem die allgegenwärtige
Militär- und Polizeipräsenz ein Gefühl der Sicherheit,
das manchmal auch trügerisch sein kann. Auf der Panamericana sieht
man unzählige Militärs stehen, Kontrollposten kontrollieren
einzelne Fahrzeuge. An besonders gefährlichen Stellen ist die
Präsenz sehr massiv. Die Überfälle sind deshalb stark
zurückgegangen, wenn auch nicht gänzlich ausgeschlossen.
Trotzdem fühlte ich mich doch recht sicher im Bus. Leider ist es
aber nach wie vor nicht möglich, dass man sich in diesem
schönen Land außerhalb der üblichen Straßen oder
Städte allein aufhält. Abenteurertum oder Rucksacktourismus
ist unter diesen Umständen einfach dumm und unverantwortlich.
Deshalb hat man in Kolumbien auch wenig Verständnis, wenn solche
Leute der Guerrilla in die Hände fallen. Der kolumbianische Staat
sieht es nicht als seine Hauptaufgabe an, sich für die Freilassung
unvorsichtiger Entführungsopfer einzusetzen. Das dürfte ein
Grund dafür sein, dass bis zur Freilassung manchmal viele Jahre
ins Land gehen und noch immer über 3.000 Personen aus aller Herren
Länder (aber überwiegend kolumbianische Landsleute) in
unwegsamem Gelände festgehalten werden. |
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![]() |
Abschließend bleibt zur
ganzen Reise festzustellen, dass die Globalisierung auch an Kolumbien
nicht vorbei geht. Hatte ich vor drei Jahren noch in den ersten Tagen
mit dem Gestank der Abgase zu kämpfen, so spürte ich dieses
Mal kaum noch etwas. Die Mopeds, Autos und Busse sind von einer neueren
Generation. Dabei teilen sich die japanische und die koreanische
Autoindustrie den Markt untereinander auf. Vereinzelt sieht man auch
Peugeot und amerikanische Fahrzeuge. Der Stadtverkehr wird heute
vielfach durch Ampeln geregelt und siehe da, man hält sich sogar
daran, auch wenn die Verkehrspolizisten manchmal „etwas nachhelfen“
müssen. Aber gegen etwas „Entgelt“ übersehen die Polizisten
so manches oder regeln das schnell und unkompliziert und bessern ihren
Sold auf – und Arbeit macht es dann auch keine mehr. So läuft es
eben. Die Amerikanisierung ist sehr stark spürbar, vor allem bei
großen Einkaufszentren mit ihren Fast-Food-Ecken. Fast jeder, der
etwas erreichen will, hat seine Garage zu einem Ladengeschäft
umfunktioniert und verkauft Jeans, T-Shirts und andere Kleidung, zum
Teil auch die angesagtesten Marken wie Diesel, Lacoste und andere. Bei
Nachfragen geben die Händler frei zu, dass es sich um „Copias“
handelt. Aber wen interessiert das denn?! Große Handelsketten haben Supermärkte errichtet, die einfach alles bieten und diese Märkte und Einkaufshäuser sind voll von Menschen. Dass diese Einkäufe meistens nur in Raten bezahlt werden können, ist auch eine Tatsache, genauso wie die dadurch steigende Verschuldung der privaten Haushalte. Ich sehe das mit großer Skepsis, habe aber auch Verständnis für die Kolumbianer, die einfach „dabei“ sein wollen. Die Aufbruchstimmung ist überall spürbar, auch wenn ich die offizielle Arbeitslosenzahl von 14% nicht glauben mag. Ich schätze eher, dass immer noch mindestens 50% der Bevölkerung keine regelmäßige Arbeit hat oder vielfach nur als Tagelöhner arbeiten kann. Aber egal, die anderen bewegen wirklich etwas und haben dann das Geld zum investieren und konsumieren – sofern es ihnen nicht geklaut wird. Diebstahl ist nach wie vor sehr hoch in Popayán. Man klaut einfach alles, was man ohne große Mühe bekommen kann. Deshalb sind Geldbörsen nicht unbedingt das beste Mittel, sein Geld aufzubewahren. Sein Geld am Körper aufzuteilen ist schon eher die sichere Methode, sei dies nun im Schuh, den Socken, den Hosentaschen oder auch im BH. Dieser ist bei Frauen ein beliebter Ort, das Geld aufzubewahren. Die Personen, mit denen ich zusammenkam oder die mir Renate vorstellte, gehören alle zu den „Machern“ mit klaren Vorstellungen, wenn auch vielfach auf einem ganz niedrigen Niveau. Letztendlich sind auch die Fundación Florecer und das CIPE so entstanden und existieren heute mit großem Erfolg. Wenn jetzt die Kolumbianer die Verantwortung weitestgehend selbst in die Hand nehmen, ist das nicht nur erfreulich, sondern auch konsequent. Wir wollen ihnen weiterhin gerne helfen voranzukommen, denn es sind Menschen die unsere Hilfe verdienen, weil sie selbst am Erfolg mitarbeiten. Heinz Frick |
| Spendenkonto:
KiKo Kinderhilfe für Kolumbien e.V. Konto-Nr.: 862 100, Volksbank Meßkirch eG Raiffeisenbank (BLZ 693 620 32) IBAN: DE69 6936 2032 0000 8621 00 SWIFT BIC: GENODE61MES |