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KiKo Kinderhilfe für Kolumbien e.V.

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Kolumbien in Daten und Fakten


(Bericht aus KiKo-Rundbrief April 2002)


Kolumbien in einigen Eckdaten

Geographie:
Mit rund 1,1 Mio km2 Fläche ist Kolumbien das viertgrößte Land Südamerikas und reichlich drei mal so groß wie Deutschland. Allerdings hat es nur ca. 34 Mio Einwohner und damit eine durchschnittliche Bevölkerungsdichte von 29 Einw./ km2 (Deutschland: 223 Einw./ km2).

Die meisten Kolumbianer wohnen im zentralen Bereich der Anden; nahezu unbesiedelt ist der zum Amazonasbzw. Orinocobecken gehörende Osten des Landes.

Die Anden spalten sich in Kolumbien in drei große Gebirgszüge auf, zwischen denen die Flüsse Rio Cauca und Rio Magdalena fließen. Da die Anden bis über 5000 m hoch werden, finden sich auf kolumbianischen Gebiet alle Klima- und Vegetationszonen der Erde:
Regenwälder im Südosten (Amazonía) und im Westen (Chocó), Feuchtsavanne im Osten (Llanos Orientales), Dornbuschund Kakteensavannen im Nordosten (Guajira).
Medellín (3 Mio. Einw.) und Cali (2 Mio. Einw.), die zweit- und die drittgrößte Stadt des Landes, haben ein gemäßigt subtropisches Klima.
Deutlich kälter ist es in der Hauptstadt Bogotá (7 Mio. Einw.), die auf 2600 m liegt. In Popayán (ca. 250.000 Einw.), das auf etwa 1700 Metern Höhe liegt, ist das Klima noch sehr angenehm.

Die Hauptbevölkerungsgruppen bilden Mestizen (58% der Gesamtbevölkerung), Weiße (20%) und Mulatten (14%). Die indianische Urbevölkerung hat je nach Zählung einen Anteil von 2-4%, die Schwarzen, deren Vorfahren als Sklaven nach Kolumbien verschleppt wurden, machen 4% aus. Der Anteil der schwarzen Bevölkerung ist in den Küstenregionen besonders groß, der Anteil der indianischen Bevölkerung in den Hochgebirgszonen, den westlichen und östlichen Tiefländern und auf der Guajira-Halbinsel.

Die Amtssprache ist Spanisch. Darüber hinaus werden in Kolumbien ca. 60 Indianersprachen und zwei Sprachen/Dialekte der schwarzen Bevölkerung gesprochen.

Die starke geographische Gliederung macht Kolumbien extrem vielgestaltig. Das Klima kann auf relativ engem Raum starken Schwankungen unterliegen, so daß das Land sehr reich an verschiedensten Lebensräumen ist.

Obwohl es nur 0,7% der Erdoberfläche einnimmt, beherbergt es 15% aller Pflanzen- und Tierarten der Erde. Damit ist Kolumbien das zweitartenreichste Land der Erde.


Wirtschaft:
Das wichtigste landwirtschaftliche Produkt Kolumbiens ist der Kaffee. Nach Brasilien ist Kolumbien der zweitwichtigste Kaffeelieferant weltweit. In den letzten Jahrzehnten hat eine Diversifizierung der landwirtschaftliche Produktion stattgefunden, so daß jetzt u.a. auch Schnittblumen, Bananen, Zuckerrohr, Baumwolle und Tabak in nennenswertem Umfang produziert werden.

Die wichtigsten Devisenlieferanten des Landes sind jedoch Bodenschätze (Erdöl, Steinkohle, Gold, Eisen-Nickel-Erz und Smaragde). Sie machen etwa 40% der Exporte aus. Da eine Industrialisierung erst Mitte der vierziger Jahre des 20. Jahrhunderts einsetzte und die Industrieproduktion bis zur neoliberalen Apertura (Öffnung) des Landes Ende der Achtziger vor allem auf den Binnenmarkt gerichtet war, kann Kolumbien allenfalls als semiindustrialisiertes Land bezeichnet werden.

Die wichtigsten Handelspartner sind die USA (39% des Exportvolumens), Venezuela (7%), Peru (6%) und Deutschland (6%).

Die Bedeutung des Kokainhandels für die kolumbianische Wirtschaft darf nicht unterschätzt werden. Dem heute wichtigsten illegalen Wirtschaftszweig gingen mit dem Elektronik-, Smaragden und Marihuana-Schmuggel andere illegale Aktivitäten voraus, denen der Staat machtlos gegenüber stand bzw. an denen die Vertreter des Staates und der Justiz kräftig mitverdienten.

Es wird geschätzt, daß jährlich etwa 3,5 Mrd. US$ aus drogenbezogenen Aktivitäten in das Land fließen (= 4% des BIP). Bezogen auf die Exporte macht der Kokainhandel zwischen 18 und 25% aus.
Insgesamt beschäftigt er geschätzte 250.000 Personen, in deren Umkreis eine weitere Million Menschen von ihm abhängen.

In den Regionen, die unter Einfluß des Drogengeldes stehen, sind ein wachsender Dienstleistungssektor, höhere Agrarlöhne und niedrigere Arbeitslosenquoten als im übrigen Kolumbien zu verzeichnen. - Und ein sprunghafter Anstieg der Gewaltdelikte, denn ein derartiger Geldfluß weckt Begehrlichkeiten in allen politischen Lagern, so daß die Drogenbosse immer wieder Koalitionen nicht nur mit den Paramilitärs, sondern auch mit den regulären Streitkräften  oder sogar der Guerrilla eingingen.
Karte der Bevoelkerungsverteilung in Kolumbien
Bevölkerungsverteilung Kolumbiens

Politik:
Obwohl Kolumbien seit 1819 von Spanien unabhängig ist, war es bis Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts kaum mehr als ein Quasi-Staat. Auch heute noch ist die Zentralregierung nicht in der Lage, das Staatsgebiet effektiv zu kontrollieren. Trotz oder vielleicht gerade dank der Schwäche des Staates ist Kolumbien die dauerhafteste Demokratie Südamerikas.

Lediglich von 1953-57 gab es eine Militärregierung. Seit dem 19. Jhd. sind die beiden dominierenden politischen Kräfte die liberale und die konservative Partei, die auch alle Präsidenten gestellt haben. Zur Zeit regiert der Konservative Andrés Pastrana, der Sohn von Misael Pastrana, der von 1970-74 Präsident Kolumbiens war. Wenn am 26. Mai diesen Jahres die Präsidentschaftswahlen stattfinden, ist Pastranas Regierungszeit zu Ende, denn in Kolumbien darf der Präsident nicht wiedergewählt werden.

Nachdem Anfang dieses Jahres die Friedensverhandlungen zwischen der Regierung und der Farc, der größten kolumbianischen Guerrillaorganisation, gescheitert sind, hat der Rechtskandidat Alvaro Uribe Velez die besten Chancen, der Nachfolger Pastranas zu werden. Anfang April führte er die Umfragen mit einer Anhängerschaft von 50% an.

Der liberale Kandidat Horacio Serpa Uribe kam auf 30%, gefolgt von der unabhängigen Kandidatin Noemi Sanín (Sí Colombia, 7%) und dem Gewerkschaftsführer Luis Eduardo Garzón (4%). Der ultrarechte General Harald Bedoya (Fuerza Colombia) wird wohl ebensowenig Einfluß auf den Wahlausgang ausüben können wie die im Februar von der FARC entführte grüne Kandidatin Ingrid Betancourt (Oxígeno Verde). Beide Kandidaten standen zwei Monate vor der Wahl bei nur einem Prozentpunkt.

Uribe Velez, 1995-97 Gouverneur der Provinz Antioquia, hat sich als harter Kämpfer gegen die Guerilla profiliert. Er lehnt Verhandlungen mit ihr ab und favorisiert eine militärische Lösung des Guerrilla-Problems.
Gewinnt er die Wahlen, ist angesichts der militärischen Stärke seiner Gegner mit einer unkalkulierbaren Verschärfung
der bewaffneten Konflikte innerhalb Kolumbiens zu rechnen.

Ekkehard Schönherr

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